Meine Lieben,
nach meinem Besuch in der Medersa Ben Youssef möchte ich euch heute von einem Erlebnis mitnehmen, das für mich ein absolutes Reise Highlight darstellt, an das ich mich noch heute gerne zurückerinnere. Denn wer an Marokko denkt, hat vermutlich sofort die bunten Souks und Häuser von Marrakesch oder vielleicht auch die endlosen Sanddünen der Sahara vor Augen. Dass man eine Wüstenlandschaft aber auch ganz anders erleben kann, durfte ich in der Agafay-Wüste erfahren.
Nur etwa 30 Kilometer von Marrakesch entfernt, beginnt eine Landschaft, die sich plötzlich komplett anders anfühlt als die quirlige Stadt. Die Häuser und engen Gassen verschwinden, die Straßen werden leerer und vor einem breitet sich eine karge, fast unwirklich wirkende Landschaft aus.
Was ich vor meiner Reise übrigens gar nicht wusste: Die Agafay-Wüste ist eigentlich gar keine klassische Sandwüste. Anders als die bekannten Sahara-Dünen besteht die Landschaft hier vor allem aus Steinen, Felsen und festem, trockenem Boden. Geografisch handelt es sich um eine sogenannte felsige Wüstenlandschaft – und genau deshalb sieht die Agafay auch so besonders aus. Statt riesiger goldener Sanddünen findet man hier helle, ockerfarbene Hügel und karge Ebenen, die teilweise fast wie eine Mondlandschaft wirken.
Und ehrlich gesagt war genau das für mich das Faszinierende daran. Je weiter wir in die Wüste hineinfuhren, desto weniger konnte ich mich sattsehen. Die Landschaft wirkt auf den ersten Blick unglaublich karg und leer, gleichzeitig aber überhaupt nicht langweilig. Im Gegenteil: Durch die verschiedenen Farben der Erde, die geschwungenen Hügel und die Weite verändert sich die Landschaft je nach Licht ständig.
Besonders beeindruckend fand ich den Blick auf das Atlasgebirge. An klaren Tagen ragen die Berge im Hintergrund aus der kargen Landschaft hervor und bilden einen wunderschönen Kontrast zu den hellen Felsen. Gerade wenn man am späten Nachmittag dort ist, wird die Kulisse durch das warme Licht noch einmal ganz besonders.
Was ich an der Agafay außerdem so besonders fand, ist ihre Nähe zu Marrakesch. Man muss nämlich nicht mehrere Stunden durch Marokko fahren, um ein echtes Wüstengefühl zu bekommen. Die Agafay liegt nur ungefähr eine halbe bis dreiviertel Stunde von Marrakesch entfernt und eignet sich deshalb perfekt für einen Tagesausflug oder – wie in unserem Fall – für einen Aufenthalt über den späten Nachmittag bis in den Abend.
Das war vermutlich auch eins der Highlights, denn neben der Weite und Ruhe konnte man am späten Abend wegen fehlender Lichtverschmutzung etliche Sterne sehen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich an unserem privaten Zelt am Lagerfeuer saß und einfach stundenlang in den klaren Nachthimmel blickte.
Ich glaube, genau solche Momente sind es, für die man auf Reisen manchmal unterwegs ist. Es passiert eigentlich gar nicht besonders viel. Man sitzt einfach da, schaut in die Landschaft und genießt den Augenblick. Und trotzdem fühlt sich dieser Moment besonders an :)
Bei unserem Ausflug hatte man die Möglichkeit, mit Kamelen zu reiten. Natürlich habe ich dies zwecks Tierschutz nicht gemacht und habe stattdessen mit den Kamelen geschmust, haha!
Gegen Abend hatten wir dann die Möglichkeit, etwas Henna auftragen zu lassen. Ich war erst skeptisch, fand es dann aber total schön und entschied mich für ein dezentes Muster am Finger und an den Beinen, welches ihr auf einigen Fotos leicht erkennen könnt. Danach gab es den typischen und unglaublich leckeren Minztee und dann ein 3 Gänge Menü, das in unser Zelt gebracht wurde. Überall standen Kerzen und die Atmosphäre war einfach magisch!
Viele Camps in der Agafay setzen genau auf dieses Erlebnis und bieten Übernachtungen in sogenannten Wüstencamps oder Glamping-Zelten an. Das ist natürlich etwas anderes als eine traditionelle Wüstennacht mitten in der Sahara, aber gerade die Kombination aus Komfort und dieser außergewöhnlichen Landschaft hat für mich ihren ganz eigenen Charme.
Wer möchte, kann einen Aufenthalt in der Agafay übrigens auch mit verschiedenen Aktivitäten verbinden. So gibt es beispielsweise Quad- und Buggy-Touren bis hin zu einem Abendessen mit traditionellen Tänzen.
Ich persönlich würde allerdings empfehlen, nicht den gesamten Aufenthalt mit Aktivitäten zu verplanen. Denn gerade die Ruhe ist für mich einer der größten Pluspunkte der Agafay. Ein bisschen Zeit einfach nur zum Sitzen, Schauen und Genießen sollte auf jeden Fall eingeplant werden.
Interessant fand ich außerdem, dass die Agafay trotz ihrer kargen Landschaft keineswegs völlig unbewohnt oder ohne Geschichte ist. Denn auch heute findet man in der Umgebung kleinere Dörfer und traditionelle Lebensweisen. Gerade deshalb sollte man bei einem Besuch nicht nur die schöne Kulisse sehen, sondern sich auch bewusst machen, dass diese Landschaft für die Menschen vor Ort mehr ist als ein kleiner Ausflug. So entdeckten wir bei unserer Hinfahrt zum Beispiel Bauern mit Vieh, die durch die karge Landschaft zogen.
Was sollte man also insgesamt bei einem Besuch beachten?
Zunächst einmal würde ich die Agafay nicht mit der klassischen Sahara verwechseln. Wer von riesigen goldenen Sanddünen träumt, wird hier wahrscheinlich etwas überrascht sein. Genau diese Dünen gibt es in der Agafay nämlich nicht. Dafür bekommt man eine ganz andere, sehr ursprüngliche und fast mondähnliche Landschaft. Für mich war das überhaupt kein Nachteil – im Gegenteil. Aber es ist gut, vorher zu wissen, was einen erwartet.
Außerdem würde ich unbedingt den Sonnenuntergang einplanen. Gerade zu dieser Tageszeit entfaltet die Landschaft ihre schönste Wirkung. Wer die Möglichkeit hat, über Nacht zu bleiben, bekommt zusätzlich die besondere Atmosphäre nach Einbruch der Dunkelheit und am nächsten Morgen noch einmal eine ganz andere Stimmung.
Und natürlich solltet ihr – wie eigentlich überall in Marokko – an Sonnenschutz und ausreichend Wasser denken. Die Landschaft bietet kaum Schatten und die Sonne kann gerade in den wärmeren Monaten sehr intensiv sein. Wer empfindlich auf Hitze reagiert, sollte den Besuch daher eher auf die frühen Morgen- oder späteren Nachmittagsstunden legen. Einen Ausflug in die Wüste zum Sonnenaufgang habe ich ja bereits in Dubai gemacht - mehr dazu findet ihr hier.
Für mich war der Aufenthalt in der Agafay vor allem deshalb so besonders, weil er einen ganz anderen Teil Marokkos gezeigt hat. Marrakesch ist laut, bunt, chaotisch und voller Leben – und nur wenige Kilometer entfernt findet man plötzlich diese unglaubliche Weite und Stille, die so so erholsam ist.
Und genau deshalb würde ich einen Aufenthalt dort bei einer Reise nach Marrakesch definitiv wieder einplanen und anderen weiterempfehlen :)
Würdet ihr die Agafay-Wüste gern einmal selbst erleben? Oder wart ihr vielleicht schon einmal dort und habt den Sonnenuntergang in der Wüste erlebt?
Lara
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