VERLIEBT, VERFÜHRT, AUSGENUTZT - ÜBER EMOTIONALE ABHÄNGIGKEIT

Dienstag, 19. September 2017

Lange Zeit blieben diese Bilder als Entwurf bei meinen gespeicherten Posts. Fotos, die an einem Tag mit einer sehr guten Freundin an einem Sonnenblumenfeld entstanden sind. Wie ihr wisst, liebe ich es, Fotos zu machen, und sie hier auf dem Blog zu veröffentlichen, aber dennoch ist das hier ein Blog, den ich nicht wie eine Diashow behandeln möchte, sondern eher wie etwas persönliches. Manchmal sehe ich diesen Blog auch als eine Art Tagebuch - nur nicht ganz so privat, wenn ihr versteht, was ich meine.
Lange Zeit blieb dieser Beitrag also leer - ich wollte warten, bis mir ein Thema einfällt, das mich in irgendeiner Weise anspricht, und von dem ich berichten kann. Natürlich liebe ich Fashion - ich liebe es, Outfits neu zu erfinden, mich allgemein mit Mode zu beschäftigen, aber genauso bin ich auch ein sehr nachdenklicher Mensch. Ernstere Themen sollen hier demnach nicht zu kurz kommen, sodass ich bereits vor etwa einem Jahr einen Beitrag zum Feminismus schrieb.
Und heute wage ich wohl etwas noch ernsteres: Es soll um emotionale Abhängigkeit gehen. Zu diesem Thema haben mich sehr viele Faktoren beeinflusst, aber ich glaube, dass es ein so wichtiges Thema ist, über das allzu sehr geschwiegen wird, wodurch viele Leute in Fallen treten.



Hauptsächlich wurde das Thema der emotionalen Abhängigkeit vor einiger Zeit bei mir hervorgerufen, als im Ersten an einem Mittwoch ein Themenabend war. Das Thema war Loverboys, und der Film hieß "Ich gehöre ihm". Der Film handelte von einem Mädchen, das im Alltag einen Jungen kennen lernt, und sich in ihn volle Kanne verliebt. Er schenkt ihr unglaublich viel Zeit, macht ihr Komplimente und bemüht sich, sodass das Mädchen mit dem Namen Caro erstmals ihm etwas zurück geben möchte - sie möchte ihn nicht verlieren, wo jetzt doch endlich die wahre Liebe gefunden zu sein scheint. Während der Junge im späteren Verlauf der Geschichte von Geldproblemen erzählt, berichtet er gleichzeitig auch davon, dass sie ihm in dieser finanziellen Notlage durch Prostitution verhelfen könnte. Natürlich schreckt Caro ab, doch mit Hilfe der Zuckerbrot und Peitsche Methode gelingt es ihm, dass Caro alles macht, was er will. Weil sie ihm ihre Liebe beweisen möchte.
Eine Geschichte, die für außenstehende Menschen meist nicht nachvollziehbar ist, wobei die Täuschungsmethoden doch so einfach sind, dass es also theoretisch jedem passieren könnte.


-> Ursprünglich war hier der Film auf YouTube verlinkt. Dort findet man ihn aber nicht mehr, oder nur in sehr schlechter Qualität. Wer sich den Film anschauen möchte, findet ihn hier 

Der Film verkörpert diese Sachlage, die für viele von außen so unverständlich erscheint, in meinen Augen perfekt. Und meiner Meinung nach zeigt er nicht nur die Masche der Loverboys, sondern auch die aller, die generell Menschen auf egal welche Weise emotional hinters Licht führen - sie auf Deutsch von Vorne bis Hinten verarschen. Natürlich muss das nicht in der Prostitution enden, aber es geht mehr um das Prinzip hinter der Darstellung im Film: Sich von jemandem abhängig machen, und durch die Liebe zu der Person so selbstlos zu sein, dass man sich die Tatsachen nicht vor Augen bewusst macht bzw. sich schlicht weg nicht mehr bewusst machen kann. Nicht merkt, wie schlecht man behandelt wird und ständig Hoffnung hat; den Glauben aufgrund von der eigenen Gutmütigkeit nicht verliert. 


Und wenn man doch zweifelt, dann droht Kontaktabbruch. Funkstille. Erklärungen für das Verhalten der Person, die die Kontrolle über die andere Person ausübt, sind irrelevant. Hauptsache die betroffene Person spürt, dass sie doch eigentlich die andere Person braucht, und danach wieder anfängt zu hoffen. Oder es werden Vorwürfe erhoben wie: "Ich dachte, du liebst mich/vertraust mir", sodass die Schuldgefühle der betroffenen Person weiter geschnürt werden, und sie letztendlich die Welt um sich herum nicht mehr richtig wahrnimmt - die bekannte rosa-rote Brille eben.

Diese - nennen wir sie Täter - haben meist ein Doppelleben. Sie haben gleich mehrere Mädchen um sich, die sie für sich "nutzen". Ich weiß jetzt bezogen auf die Prostitutionssache natürlich nicht, ob das auch etwas mit der Psyche zu tun hat, oder ob es dabei lediglich um Geld geht, aber wie bereits erwähnt, geht es mir mehr um das Prinzip dahinter, welches im Film ebenfalls deutlich wird.
Denn selbst ohne Prostitution ist es im Alltagsleben unglaublich einfach, Menschen die ach so wahre Liebe vorzutäuschen, obwohl sie eigentlich nur irgendein Ersatz oder Lückenfüller beispielsweise sind. Und wenn man sich erstmal verliebt hat, dann wird die Sache immer schwerer, genauso wie es auch im Film geschildert wird. Man glaubt, dass sich die Person ändert, hofft, sieht stets irgendwie das Gute, bis irgendwann der Punkt kommt, an dem man das Spiel der emotionalen Abhängigkeit durchschaut (wenn es dazu überhaupt kommt), und die wahre Person hinter dem vermeintlichen Image erkennt, und vermutlich in seiner ursprünglichen Sichtweise unfassbar enttäuscht wird.



So ist es auch im Internet sehr einfach, eine falsche Identität vorzuspielen. In Zeiten, in denen jeder Whatsapp, Facebook und Co nutzt, ist es ja schließlich nichts besonderes mehr, wenn man einen Menschen durch das Internet kennen lernt. Bezogen auf mich selbst, habe ich genau durch das Internet viele liebe Leute kennen gelernt, aber das komplette Gegenteil kann natürlich ebenfalls eintreten.

Genauso hat mich auch der Fall einer Frau bewegt, die im Internet einen vermeintlichen Mann kennen lernte, mit dem sie täglich über soziale Netzwerke schrieb, mit ihm stundenlang telefonierte, bis sich eines Tages herausstellte, dass der Name der eigentlichen Person im Bezug auf angegebene Ortschaften gar nicht existiert, und in Wirklichkeit eine Frau hinter dem Profil stand, die mit Hilfe etlicher Dinge probierte, einen Mann dazustellen, und die betroffene Frau emotional für sich zu gewinnen.


Ist das nicht krass? Die vergangenen Tage haben mir einfach extrem aufgezeigt, wie leicht es sein kann, von anderen getäuscht zu werden, aber vor allem ist mir dabei die Frage aufgekommen, warum man sowas macht. Ist es Langeweile, das Gefühl von Kontrolle, oder doch das Abtauchen in eine andere, aber dabei doch so reale Welt, in der man fernab von seinem eigentlichen Leben jemand anderes sein kann - und somit in einem Leben unzählige Rollen ausüben kann? Und warum spielt man dabei mit der Emotionalität anderer, macht sie abhängig, nutzt sie schamlos in welcher Weise auch immer für sich aus?



Das Thema bietet bezogen auf den Alltag einfach so viele Bezugsmöglichkeiten, die erst aufzeigen, wie leicht es ist, jemanden von sich abhängig zu machen. Genauso ist es noch schockierender zu sehen, wie es den betroffenen Menschen damit geht. Ob sie, wie im Film, nun vermutlich ständig Geld für andere erarbeiten, und/oder einfach erschüttert darüber sind, zu welch abartigen Taten gewönhliche Menschen in der Lage sind, und es ihnen fortan schwer fällt, Vertrauen zu Mitmenschen zu gewinnen.


Dieses Thema war mal etwas anderes - ernst und doch irgendwie ein Stück weit persönlich. Als der Film, der im Übrigen auf etlichen wahren Gegebenheiten beruht, zu Ende war, dachten meine Mutter und ich noch lange auf die eigentliche Message hinter dem Film zurück, weshalb mich das Thema allgemein bis heute beschäftigt. Vielleicht uns jeden irgendwann auch mal im Alltag und Umgang mit anderen Menschen - wenn auch in womöglich nicht ganz so krasser Weise,

Wie steht ihr zu diesem Thema?

Lara

Kommentare:

  1. Der Text den du geschrieben hast war total interessant. Ich finde es auch total schrecklich, dass es solche Dinge auf der Welt geben muss. Das erinnert mich an eine Serie die Catfish heißt. Die lief/ läuft auf Nick Night. Dort geht es auch um das Thema 'Fake Accounts' und 'Fake Liebe' im Internet. Leider kann man das ganze nicht kontrollieren und sollte wirklich aufpassen von wem man sich die rosarote Brille aufsetzen lässt (soweit das noch möglich ist)....

    Ich werde mir den Film jetzt anschauen :-)

    Liebe Grüße
    Katrin

    https://k-kingsbridge.blogspot.de

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    1. Die Serie muss ich mir auch mal anschauen! Und vielen Dank <3

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  2. Wenn ich mir sowas durchlese, denke ich mir immer, dass ich selbst ja niemals auf so jemanden reinfallen würde. Aber letzten Endes passiert das so vielen Mädchen, man merkt es oft eben einfach nicht. Sehr spannendes Thema in jedem Falle :)

    Liebe Grüße,
    Rica von Ivory Beauty

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    1. Ja, definitiv! Leider bemerkt man das ja immer erst am Ende, denn währenddessen trägt man ja fast ständig die rosa-rote Brille :)

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  3. Ein wirklich toller Post, den hoffentlich viele junge Mädchen erreicht. Ganz nebenbei sind deine Bilder einfach nur wunderschön!

    Alles Liebe www.bohemianloverbabe.blogspot.de

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  4. Oh, was für ein wirklich wundervoller Post! Die Fotos sind auch so stimmig und passen sehr. Ich finde es toll, dass du auch solche Themen ansprichst :)


    Viele liebe Grüße, Julia ☾ | www.serendipityblog.de

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  5. Toller Post und schöne Bilder:)
    Alles Liebe, Marie💗
    http://mariedyness.blogspot.de/?m=1

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  6. Ich habe den Film auch gesehen und er hat mich echt zum Nachdenken angeregt. Es ist echt unglaublich, wie man durch soziale Abhängigkeit komplett sein eigenes Selbstwertgefühl verliert. Der Film sollte auf jeden Fall mehr Reichweite haben, daher finde ich es echt gut, dass du darüber schreibst :)

    Liebe Grüße Cella❤️ | www.helloceline.de

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    1. Ja, sehe ich genauso! Er verkörpert so viele Aspekte, wodurch er demnach auch auf viele Situationen passt.

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  7. Liebe Lara,
    ein sehr schön geschriebener Post und das Thema ist so nah und so tief in der Realität. Mir fielen beim Lesen gleich mehrere Menschen ein, die von so etwas schon einmal betroffen waren oder betroffen sind (wenn auch nicht in ganz so krasser Weise) und ich selbst miteingeschlossen. Ich kenne auch jetzt noch 2 Menschen, die ich als emotional abhängig bezeichnen würde und die mehr oder weniger ausgenutzt werden. Das schlimme ist, dass man reden kann so viel man will - den Personen kann man meistens nicht helfen. Wenn ich da mal an meine Zeit zurückdenke (das ist nun schon einige Jahre her), als ich auch zumindest ein Stück weit abhängig war und ausgenutzt wurde, war mir das eigentlich auch bewusst... aber auf der anderen Seite stand eben nur der Kontaktabbruch zur anderen Option und den möchten die meisten dann eben verhindern und zögern das Ganze meistens hinaus... Die Hoffnung auf Veränderung ist oft zu lange da. Ich glaube als "Opfer" kann man da wenig tun, aber auf alle "Täter" habe ich eine riesige Wut. Zu denken "Ich kann mit ihr/ihm machen was ich will" und das gnadenlos auszunutzen ist mehr als nur gemein. Ich kenne dieses Phänomen übrigens bei beiden Geschlechtern... Habe auch schon erlebt, dass ein Mädchen ihren Freund, der sie über alles liebt, sie ihn aber nicht finanziell so richtig ausgenutzt hat und sie konnte verlangen was sie wollte. Aber ihm konnte man als Außenstehender auch kaum helfen, er trug einfach die rosa rote Brille und es hat gedauert, bis er sich endlich gelöst hat.
    Auf jeden Fall ein sehr gelungener Post mit einem sehr wichtigen Thema.
    Viele liebe Grüße, Cindy
    www.fraeulein-cinderella.de

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    1. Erstmal vielen Dank für deinen lieben und vor allem ausführlichen Kommentar!
      Mir geht es genauso, und es ist meiner Meinung nach auch echt traurig, dass immer mehr Menschen die Emotionalität anderer ausnutzen - unabhängig vom Geschlecht. Meist sind es eher Frauen und Mädchen, die davon betroffen sind, aber selbst Männern kann das natürlich auch passieren. Als "Opfer" ist es, wie ich finde, auch eigentlich fast unmöglich sich zu helfen, da man immer wieder Hoffnung hat, und irgendwie probiert, an der Person festzuhalten, was in dem Film ja auch genauso dargestellt wird. Manchmal braucht das Herz halt länger um das zu realisieren, was der Kopf schon längst begriffen hat.

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  8. Zuerst einmal, das sind wunderschöne Bilder von dir!
    Ich finde es super, dass du solche ernsteren Themen ansprichst und ich kann dir absolut Recht geben. In jedem einzelnen Satz denke ich genauso wie du!

    Alles Liebe, Anne
    www.basiccouture.blogspot.de

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  9. Hallo Lara, ein wirklich toller inspirierender und mutiger Beitrag, den ich gerne gelesen habe! Mach weiter so!

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