THINGS I LEARNED AT 26

Mittwoch, 17. Juni 2026

 Meine Lieben,

es ist wieder soweit – mein Geburtstag ist vorbei und damit auch ein weiteres Lebensjahr. Dieses Jahr fällt es mir schwer, die richtigen Worte zu finden, denn das 26. Lebensjahr war vermutlich mit Abstand das intensivste Jahr meines Lebens. Ein Jahr voller Umbrüche, Abschiede und Neuanfänge. Es war ein Jahr, das mich gezwungen hat, mich noch stärker weiterzuentwickeln und in dem einfach super viel passiert ist. Zeit also, zurückzublicken.






Trauer hat keinen Zeitplan
... und doch gleichzeitig irgendwie schon - auch wenn das vielleicht zunächst keinerlei Sinn ergibt. Wie ihr im vergangenen Spätsommer bereits erfahren habt, habe ich meinen Vater verloren. Der Tod kam total plötzlich und überwältigte meine Familie und mich total. Bis heute fühlt es sich immer noch unwirklich an. Ich habe gelernt, dass jeder Mensch anders trauert und dass es keine "richtige" Form der Trauer gibt - jeder Mensch reagiert super unterschiedlich. Gleichzeitig habe ich die Trauer beim Verlust eines Elternteils als nochmal völlig anders und weitaus intensiver erlebt. Der Tod eines Elternteils zwingt einen quasi dazu, sich mit seiner Kindheit und Jugend auseinanderzusetzen und die Zeit zu reflektieren. Die Zeit nach seinem Tod war sehr intensiv, aber ich war dankbar dafür, dass ich diese schwere Zeit Zuhause in meiner Heimat mit meiner Mutter verbracht habe. Außerdem habe ich gemerkt, wie Trauer sich zeigt: manchmal überwältigend als Welle aus dem Nichts und manchmal eher linear. Alle Formen sind okay und ich bin im Rückblick super dankbar dafür, dass ich mir nach seinem Tod gemeinsam mit meiner Familie Zeit nahm, das Ganze ausgiebig zu verarbeiten.



Alles beginnt mit einem Gedanken und einem Bauchgefühl, das einem die Richtung weist
Kurz vor dem Tod meines Vaters zog ich knapp 600km weg aus meiner Unistadt. Neue Stadt, neuer Job und ein völlig neues Lebenskapitel. Meine Uni-Zeit in Bayern war aufregend und cool, aber ich hatte zu Beginn des vergangenen Jahres einfach dieses Bauchgefühl, dass ich zurück in Richtung meiner Heimat ziehen sollte. Mit meinen Eltern plante ich den Umzug - Ich glaube, wir hatten für die Hin- und Rückfahrt einen Tag eingeplant und dann nur noch einen um alle Möbel und Gegenstände zu verpacken. Ich weiß noch, wie viele Kartons in meiner alten Wohnung in Augsburg standen und wie aufwändig das Ganze war. Ebenfalls in Erinnerung bleibt mir die Zeit mit dem Einzug in meine neue Wohnung in Hannover. Auf Instagram habe ich es damals bereits geteilt, denn ich musste mehrere Wochen im Sommer ohne Küche auskommen, was wirklich eine Herausforderung war. Zurückblickend war alles aber eine gute Entscheidung: Ich fühle mich wohl in meiner Wohnung und gerade im Hinblick auf den Todesfall wusste ich instinktiv, was richtig ist und wo es mich hinzieht. Ohne den Umzug hätte ich während der Trauerzeit nicht so schnell in meiner Heimat sein und reagieren können, sodass ich unbewusst die richtige Entscheidung mit meinem Umzug traf. Ich bin ja eh ein starker Verfechter des Bauchgefühls und glaube, dass es immer gut ist, diesem zu vertrauen.



Perfektionismus ist kein Freund, er ist ein Saboteur
Neben all den anderen bereits erläuterten Dingen schrieb ich meine Masterarbeit und startete eine neuen Job. Ich neige zum Perfektionismus und gerade wenn mehrere Dinge gleichzeitig anfallen, hilft es sich, vor Augen zu führen, dass der eigene Perfektionismus einem manchmal auch im Weg stehen kann. Gerade anhand von meiner Masterarbeit habe ich das gemerkt: Wenn man zu Beginn vor diesem Koloss an Seiten steht, die man schreiben muss, fängt man schnell an, zu zweifeln und das Ganze zu zerdenken. Mir hat es geholfen, einfach zu schreiben und einfach zu machen, statt jedes einzelne Wort und jeden Satz dreimal zu überdenken. Die Korrektur und die Arbeitsweise insgesamt wurde dadurch effizienter und deutlich leichter, dennoch war der gesamte Arbeitsprozess natürlich irgendwo auch anstrengend. 




Du brauchst nicht so viel
Vielleicht liegt es an dem Umzug, der mir vor Augen geführt hat, wie viel man eigentlich besitzt. Wenn man jedes Besteckset, jede Lampe und jedes noch so kleine Produkt verpackt und verräumt, fällt einem erst so richtig auf, wie viel man eigentlich besitzt und wie wenig man von all dem regelmäßig nutzt und wirklich braucht. Auch in Kombination mit dem Todesfall gewinnt dieses Learning nochmal an Gewicht, denn wenn ein Familienmitglied verstirbt, müssen natürlich auch die jeweiligen Habseligkeiten von den Hinterbliebenen sortiert werden und man muss sich einen Überblick verschaffen. Hierbei kam bei mir oft die Frage, was von all dem bleibt und was man wirklich im Leben braucht, um glücklich zu sein. Letztlich konsumieren wir alle zu viel und alles ist endlich. Ich habe im Zuge dessen in meinem 26. Lebensjahr so viel aussortiert wie noch nie und ich bin immer noch nicht fertig. Ich möchte meine Bestände reduzieren, nur noch Dinge besitzen, die ich tatsächlich so richtig mag und brauche und möchte dies auch an andere weitergeben. Gerade im Gespräch mit Bekannten ist mir nämlich aufgefallen, dass viele dieses vielleicht auch sehr lästige To Do gerne aufschieben und etliche Gegenstände auf dem eigenen Dachboden sich selbst überlassen. Dadurch verliert man den Überblick und kauft vieles neu, was man doch irgendwo vielleicht schon hat.


Was habt ihr im vergangenen Lebensjahr gelernt? Welches Lebensjahr war bislang euer intensivstes?


Lara

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